Frühe Hilfen in Österreich 2025: Umsetzung, Qualität und Weiterentwicklung
2025 war das zweite Umsetzungsjahr der Frühen Hilfen auf Grundlage der Frühe-Hilfen-Vereinbarung. Nach dem flächendeckenden Ausbau und dem Übergang in die Regelfinanzierung standen die Festigung der österreichweiten Strukturen, die Qualität der Umsetzung und die Weiterentwicklung der regionalen Netzwerke im Mittelpunkt.
Zwei Berichte dokumentieren das Jahr aus unterschiedlichen Perspektiven: Der „Bericht zur Umsetzung der Frühen Hilfen in Österreich 2025“ führt die standardisierten Berichte der Bundesländer und den Tätigkeitsbericht des NZFH.at zu einer österreichweiten Gesamtschau zusammen. Der Tätigkeitsbericht des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen 2025 zeigt im Detail, welche Aufgaben und Aktivitäten das NZFH.at im Berichtsjahr übernommen hat.
Flächendeckend verankert, regional umgesetzt
Die Frühen Hilfen wurden über viele Jahre schrittweise in Österreich aufgebaut. Seit Herbst 2023 steht das Angebot flächendeckend zur Verfügung; mit Anfang 2024 ging es in die Regelfinanzierung über. Die Frühe-Hilfen-Vereinbarung bildet dafür die rechtliche und finanzielle Grundlage.
2025 konnten die darin vorgesehenen Governance-Strukturen weiter gefestigt werden. Auf Bundesländerebene arbeiten regionale Koordinierungen, auf Bundesebene dient die nationale Koordinierungsgruppe Frühe Hilfen der Abstimmung zwischen Bund, Ländern sowie Kranken- und Pensionsversicherungsträgern.
Die regionalen Strukturen 2025
Österreichweit bestanden 30 regionale Frühe-Hilfen-Netzwerke. In der Familienbegleitung waren 251 Fachkräfte tätig, ergänzt durch 31 Personen in der fachlichen Leitung und 52 Personen im Netzwerkmanagement. Aufgrund von Personalunionen können einzelne Personen mehrere Funktionen übernehmen.
- 30 regionale Netzwerke
- 251 Familienbegleiter:innen
- 31 fachliche Leitungen
- 52 Netzwerkmanager:innen
Familien früh erreichen
Die Arbeit in den Bundesländern zeigte auch 2025, dass Familien auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden müssen. Neben der individuellen Familienbegleitung wurden niederschwellige Gruppenangebote wie Eltern-Kind-Treffs, Babytreffs, Familiennester oder Walk-&-Talk-Formate angeboten. Auch Sprechstunden in medizinischen Einrichtungen ermöglichten einen unmittelbaren Kontakt zu Familien rund um Schwangerschaft und Geburt.
Gerade Gruppenangebote erwiesen sich teilweise als Zugang für Familien, die zuvor noch keinen Kontakt zu den Frühen Hilfen hatten oder das aufsuchende Angebot zunächst nicht nutzen wollten. Sprechstunden in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen ermöglichten zugleich frühzeitige Beratung und kurze Vermittlungswege.
Damit bestätigt sich eine Erfahrung, die sich durch den gesamten Umsetzungsbericht zieht: Persönliche Kontakte bleiben entscheidend – sowohl für das Erreichen von Familien als auch für die Zusammenarbeit mit Fachpersonen. Netzwerkarbeit muss deshalb kontinuierlich gepflegt werden.
Vernetzung ist Teil der Unterstützung
Die regionalen Netzwerke arbeiten mit einer großen Bandbreite medizinischer, psychosozialer, sozialer und pädagogischer Einrichtungen und Berufsgruppen zusammen. 2025 reichten die Aktivitäten von regionalen Netzwerktreffen und Runden Tischen über Sprechstunden in Geburtskliniken bis zu Fortbildungen und Veranstaltungen. Inhaltliche Schwerpunkte waren unter anderem präventiver Kinderschutz, psychische Belastungen rund um Schwangerschaft und Geburt, Armut und Mehrfachbelastungen, Sucht, Sprachentwicklung und die stärkere Einbindung von Vätern.
Die Erfahrungen zeigen zugleich, dass Vernetzung nicht mit dem Aufbau eines Netzwerks abgeschlossen ist. Persönliche Beziehungen, regelmäßiger Austausch und fixe Ansprechpartner:innen bleiben wesentlich, damit Fachpersonen Familien frühzeitig auf die Frühen Hilfen aufmerksam machen und bei Bedarf vermitteln können.
Unterschiedliche Regionen, unterschiedliche Schwerpunkte
Die flächendeckende Umsetzung bedeutet nicht, dass die Frühen Hilfen überall identisch arbeiten. Die Bundesländer greifen regionale Bedarfe gezielt auf. 2025 wurden beispielsweise Gruppenangebote für Familien ausgebaut, die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern intensiviert und regionale Schwerpunkte zu Kinderschutz, väterlicher Einbindung oder der Begleitung nach Schwangerschaftsverlust gesetzt. Auch regelmäßige Sprechstunden in Geburtskliniken und Primärversorgungseinrichtungen wurden weitergeführt oder neu eingerichtet.
Gerade diese Verbindung aus gemeinsamen österreichweiten Qualitätsanforderungen und regionaler Gestaltung gehört zu den zentralen Merkmalen des Programms.
Qualitätsanforderungen werden großteils erfüllt
Ein eigener Schwerpunkt des Umsetzungsberichts liegt auf dem Qualitätsstandard Frühe Hilfen. Die Auswertungen für 2025 zeigen einen insgesamt hohen Umsetzungsgrad. Die Strukturqualitätsanforderungen werden von der Mehrheit der Bundesländer vollständig erfüllt. Bei den Prozessqualitätsanforderungen ist das Bild noch einheitlicher: Nur eine Anforderung wird nicht von allen Bundesländern zur Gänze erfüllt.
Vollständig erfüllt werden beispielsweise die Anforderungen an die Frühe-Hilfen-Koordination auf Bundesländerebene sowie an Schulung und Fortbildung. Weiterer Entwicklungsbedarf besteht in einzelnen Ländern unter anderem bei fachlicher Leitung, Zusammensetzung der multiprofessionellen Teams, Expertengremien, Supervision oder verfügbaren Ressourcen.
Was das NZFH.at 2025 beigetragen hat
Der zweite Bericht richtet den Blick auf die Arbeit des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen selbst. Zu seinen zentralen Aufgaben gehörten 2025 die bundesweite Koordination und Vernetzung, FRÜDOK und Monitoring, Schulungen und Fortbildungen, fachliche Grundlagenarbeit, Begleitforschung und Evaluation sowie Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit.
Für die regionalen Umsetzer:innen organisierte das NZFH.at unter anderem 13 Vernetzungstreffen, zwei Klausuren, ein Treffen der FRÜDOK-Ansprechpersonen und sechs Frühe-Hilfen-Lounges. Zusätzlich fanden Schulungen für neu tätige Familienbegleiter:innen und Netzwerkmanager:innen sowie fünf eintägige themenspezifische Fortbildungen statt. Ein fachlicher Schwerpunkt des Jahres lag auf der finanziellen Situation von Familien. Dazu wurden FRÜDOK-Daten ausgewertet, rund 350 Familien für eine Onlineerhebung kontaktiert, 106 vollständig ausgefüllte Fragebögen ausgewertet und sechs Feedbackgruppen mit insgesamt 44 Eltern durchgeführt.
2025 wurden außerdem die Vorbereitungen für die österreichweite externe Evaluation der Frühen Hilfen abgeschlossen. Im Juli wurde queraum. kultur- und sozialforschung mit der Evaluation beauftragt; im August startete die Zusammenarbeit mit dem externen Evaluationsteam.
Was Familien über die Begleitung sagen
Neben Strukturen und fachlichen Anforderungen fließen auch die Erfahrungen der begleiteten Familien in die Weiterentwicklung ein. 2025 gingen beim NZFH.at 536 ausgefüllte Feedbackbögen ein. Die Rückmeldungen zeigen eine sehr hohe Zustimmung: 99 Prozent gaben an, sich bei den Frühen Hilfen gut aufgehoben zu fühlen und sich von ihrer Familienbegleiterin verstanden zu fühlen. 98 Prozent berichteten von Vertrauen in ihre Familienbegleiterin sowie davon, gut unterstützt worden zu sein. 93 Prozent gaben an, zur richtigen Zeit von den Frühen Hilfen erfahren zu haben.
Was weiter wichtig bleibt
Für die weitere Umsetzung benennt der Bericht mehrere Schwerpunkte. Die Netzwerkarbeit soll kontinuierlich weitergeführt und vertieft werden. Dazu gehören insbesondere eine stärkere Präsenz in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen rund um Schwangerschaft und frühe Kindheit sowie der weitere Ausbau persönlicher Kontakte zu relevanten Berufsgruppen.
Besonderer Entwicklungsbedarf besteht weiterhin bei der Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzt:innen aus Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendheilkunde sowie Gynäkologie und Geburtshilfe und mit Primärversorgungseinrichtungen. Die regionalen Erfahrungen und die FRÜDOK-Daten weisen darauf hin, dass aus diesem Bereich bislang vergleichsweise wenige Vermittlungen erfolgen. Auch die Vorbereitung auf die Zeit nach 2028 wird als wichtiges Thema genannt. Dazu gehören Überlegungen zur künftigen Finanzierung, zur Weiterentwicklung des Qualitätsstandards und – aus Teilen der Praxis – auch zur möglichen Ausweitung des Angebots auf ältere Kinder.
Insgesamt kommt der Umsetzungsbericht für 2025 zu einer positiven Bilanz: Die nachhaltige Verankerung und Finanzierung ermöglichte es, bestehende Strukturen und Kooperationen weiterzuführen. Gleichzeitig zeigen die Berichte konkret, an welchen Stellen die Umsetzung in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden soll.
Berichte 2025 Download:
Frühe Hilfen – Bericht zur Umsetzung in Österreich 2025
Der Bericht gibt eine österreichweite Gesamtschau der Umsetzung. Er basiert auf den standardisierten Jahresberichten der Bundesländer und dem Tätigkeitsbericht des NZFH.at und behandelt Strukturen, Aktivitäten, Qualitätsanforderungen, Umsetzungserfahrungen und Empfehlungen für die weitere Entwicklung.
Nationales Zentrum Frühe Hilfen 2025 – Tätigkeitsbericht
Der Tätigkeitsbericht dokumentiert die Arbeit des NZFH.at im Jahr 2025 – von Koordination und Vernetzung über FRÜDOK, Schulung und fachliche Weiterentwicklung bis zu Begleitforschung, Evaluation und Wissenstransfer.

