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Wenn Geld knapp ist: Finanzielle Belastungen von Familien und die Rolle der Frühen Hilfen

Ein Kind verändert den Alltag einer Familie – und häufig auch ihre finanzielle Situation. Einkommen fällt während der Karenz weg oder wird geringer, gleichzeitig entstehen neue Ausgaben. Kommen Arbeitslosigkeit, Trennung, hohe Wohnkosten, fehlende Kinderbetreuung oder gesundheitliche Belastungen hinzu, kann aus einer angespannten finanziellen Situation eine dauerhafte Belastung werden.

Finanzielle Bedingungen sind dabei auch für Gesundheit relevant. Anhaltender finanzieller Stress kann das Familienleben und die Eltern-Kind-Beziehung belasten und damit auch die Entwicklungsbedingungen von Kindern beeinflussen. Genau deshalb ist die finanzielle Situation von Familien auch für die Frühen Hilfen ein wichtiges Thema.

Neue Auswertungen des NZFH.at erlauben einen besonders genauen Blick darauf: Der FRÜDOK-Jahresbericht 2024 analysiert Daten von 12.819 begleiteten Familien aus den Jahren 2016 bis 2024 nach ihrer finanziellen Lage. Ergänzend wurden 2025 ehemals oder aktuell begleitete Familien online befragt und Erfahrungen aus Feedbackgruppen einbezogen.

Weniger Einkommen geht mit mehr Belastungen einher

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Grafik zeigt: Je niedriger das Einkommen, desto mehr Belastungen und desto weniger Ressourcen haben begleitete Familien.


Die FRÜDOK-Daten zeigen einen fast durchgängigen sozialen Gradienten: Mit sinkendem Haushaltseinkommen verändern sich nicht nur finanzielle Möglichkeiten. Auch andere Belastungen nehmen zu und Ressourcen werden geringer.

Besonders deutlich wird das bei Familien mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 1.000 Euro. Fast 70 Prozent dieser Familien sind Ein-Eltern-Familien. Bei Familien mit einem Einkommen ab 3.001 Euro liegt dieser Anteil bei rund drei Prozent.

Auch Alter, Bildung und Erwerbssituation unterscheiden sich. In Familien mit geringem Einkommen sind die primären Hauptbezugspersonen im Durchschnitt jünger, häufiger ohne Partner:in, häufiger von Migrationserfahrungen geprägt und häufiger ohne Erwerbstätigkeit. Gleichzeitig stehen ihnen im Durchschnitt weniger Ressourcen zur Verfügung.

Finanzielle Belastung steht damit häufig nicht allein. Sie ist Teil einer Lebenssituation, in der mehrere Schwierigkeiten gleichzeitig bewältigt werden müssen.

Der Zugang zu den Frühen Hilfen unterscheidet sich

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Grafik zeigt: Mit sinkendem Einkommen erfolgt die Kontaktaufnahme häufiger über Institutionen statt über Selbstmeldung.


Auch der Weg zu den Frühen Hilfen verändert sich mit dem Einkommen. Je geringer das Haushaltseinkommen, desto häufiger werden Familien durch Institutionen, Einrichtungen oder Personen aus ihrem Umfeld vermittelt und desto seltener melden sie sich selbst. Familien mit niedrigem Einkommen gelangen häufiger über Kinder- und Jugendhilfe, soziale Vereine und Beratungsstellen zu den Frühen Hilfen.

Zugleich beginnt die Begleitung bei Familien mit niedrigem Einkommen häufiger bereits während der Schwangerschaft. Bei Familien mit weniger als 1.000 Euro Haushaltseinkommen trifft dies auf 41,3 Prozent zu.

Auch die Gründe für den Kontakt unterscheiden sich: Finanzielle Notlagen, fehlende soziale Netzwerke und der Bedarf an administrativer, rechtlicher oder organisatorischer Unterstützung treten bei niedrigeren Einkommen stärker hervor.

Hinter finanziellen Problemen stehen oft strukturelle Hürden

Die Gespräche mit Familien zeigen, wie unterschiedlich finanzielle Schwierigkeiten entstehen können. Genannt wurden hohe Kosten für Wohnen, Energie, Lebensmittel, Windeln und Babynahrung, geringeres Einkommen während der Karenz, ausbleibende Alimentationszahlungen oder die finanzielle Situation von Alleinerziehenden. Hinzu kommt der Aufwand, Unterstützungsleistungen überhaupt zu erhalten. Anträge und Nachweise werden teilweise als erhebliche Belastung erlebt.

Besonders deutlich werden Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Systemen. Fehlende oder unflexible Kinderbetreuung kann beispielsweise verhindern, dass Eltern eine Ausbildung absolvieren oder ihre Erwerbstätigkeit ausweiten. Gleichzeitig kann selbst Kinderbetreuung bei geringem Einkommen schwer leistbar sein. Auch lange Antragsverfahren, Einkommensgrenzen bei Sozialleistungen oder der Zugang zu günstigem Wohnraum können die Situation zusätzlich erschweren.

Finanzielle Belastung ist damit häufig mehr als eine Frage des verfügbaren Geldes. Sie hängt auch davon ab, wie gut Familien Zugang zu Kinderbetreuung, Arbeit, Wohnen, Beratung und sozialen Leistungen finden.

Was Familien im Alltag einschränkt

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Kreisdiagramm zeigt: Die meisten Haushalte erwarten ähnliche oder geringere größere Ausgaben in den kommenden zwölf Monaten.


Die Auswirkungen finanzieller Knappheit zeigen sich in vielen Bereichen des Familienlebens. In der Befragung 2025 gaben 23,1 Prozent der Teilnehmer:innen an, unerwartete Ausgaben von 1.570 Euro nicht finanzieren zu können. Besonders betroffen waren Familien mit geringem Einkommen, von Arbeitslosigkeit betroffene Haushalte, Ein-Eltern- und Mehrkindfamilien.

Auch die Entwicklung der vergangenen zwölf Monate zeigt eine angespannte Lage: 41 Prozent berichteten, heute schlechter oder deutlich schlechter mit ihrem Haushaltseinkommen auszukommen als ein Jahr zuvor. 26,4 Prozent berichteten dagegen von einer Verbesserung.

In den Feedbackgruppen wurden insbesondere gestiegene Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel als Belastung beschrieben.

Familienbegleitung kann ganz konkret entlasten

Frühe Hilfen können Einkommen oder strukturelle Rahmenbedingungen nicht selbst verändern. Die Familienbegleitung kann aber dabei helfen, vorhandene Möglichkeiten tatsächlich zugänglich zu machen.

Familienbegleiter:innen informieren etwa über Sozialhilfe, Wohnbeihilfe und andere Leistungen, unterstützen bei Anträgen, begleiten Familien zur Schuldnerberatung oder zum AMS und helfen bei der Suche nach Kinderbetreuung. Auch kurzfristige materielle Unterstützung – etwa für Windeln, Babynahrung oder Einrichtungsgegenstände – kann organisiert werden.

Die Befragung bestätigt diese Funktion: Bei jenen Familien, für die finanzielle Schwierigkeiten ein Grund für die Inanspruchnahme der Frühen Hilfen waren, gaben rund zwei Drittel an, dass die Familienbegleitung zu einer finanziellen Entlastung beitragen konnte. Am häufigsten wurde Unterstützung bei der Beantragung finanzieller Leistungen genannt.

Auch die längerfristigen FRÜDOK-Auswertungen zeigen Verbesserungen. Gerade bei Familien der niedrigsten Einkommensgruppe wurden am Ende der Begleitung häufig Fortschritte bei der finanziellen Situation, bei administrativen Fragen und bei der Wohnsituation dokumentiert. Gleichzeitig verbesserten sich auch Elternkompetenz, Eltern-Kind-Beziehung, Zukunftsperspektive, Gesundheit, soziales Netzwerk und Alltag.

Unterstützung kann viel bewirken – aber nicht jede Ursache beseitigen

Die Ergebnisse zeigen damit zwei Seiten. Frühe Hilfen können Familien helfen, ihre Situation zu stabilisieren, Unterstützung zu finden und vorhandene Ansprüche tatsächlich zu nutzen. Zugleich liegen viele Ursachen finanzieller Belastung außerhalb ihres Einflussbereichs.

Fehlende Kinderbetreuung, hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten, ungünstige Zugänge zu Erwerbsarbeit oder strukturelle Hürden bei Sozialleistungen lassen sich durch Familienbegleitung nicht lösen. Der Bericht macht deshalb ausdrücklich darauf aufmerksam, dass Frühe Hilfen strukturelle Probleme sichtbar machen und Familien im Umgang damit unterstützen können, sie aber nicht selbst beseitigen können.

Zur Einordnung der Ergebnisse

Die Onlinebefragung bildet nicht alle begleiteten Familien gleichermaßen ab. Familien mit höherer formaler Bildung und ohne Migrationshintergrund beteiligen sich daran häufiger. Die finanziellen Belastungen aller von den Frühen Hilfen begleiteten Familien könnten deshalb in dieser Erhebung eher unterschätzt sein. Für die längerfristigen Aussagen zum sozialen Gradienten stehen zusätzlich die umfangreichen FRÜDOK-Daten zur Verfügung.

Publikationen zum Thema - Download:

Die finanzielle Situation von Familien – Eine Erhebung in den Frühen Hilfen 2025

Infosheet: Finanzielle Lage der begleiteten Familien 2016–2024

FRÜDOK-Jahresbericht 2024 – Zahlen, Daten und Fakten

 

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