Der Nutzen der Frühen Hilfen aus Sicht der Familien
Wie Familien die Unterstützung durch die Frühen Hilfen rückblickend bewerten und welche Wirkungen auch nach Abschluss der Begleitung wahrgenommen werden.
Die Frühen Hilfen unterstützen Familien in belastenden Lebenssituationen durch Familienbegleitung, die Orientierung im Hilfesystem, Vermittlung von Angeboten und konkrete Unterstützung im Alltag bietet. Kurzfristige Wirkungen der Familienbegleitung werden regelmäßig über das Dokumentationssystem FRÜDOK und Evaluationen erfasst. Deutlich schwieriger ist der Nachweis mittel- und langfristiger Wirkungen eines komplexen und bedarfsorientierten Angebots wie der Frühen Hilfen. Um dennoch einen Eindruck vom aus Sicht der Familien erlebbaren Nutzen zu erhalten, wurde 2025 eine Befragung von ehemals oder aktuell begleiteten Familien durchgeführt. Die Ergebnisse sind im Bericht zusammengefasst.
Der Nutzen der Frühen Hilfen aus Sicht der Familien – Eine Erhebung in den Frühen Hilfen 2026
Positive Erinnerungen an die Familienbegleitung
Die Familien wurden gebeten, auf ihre Zeit bei den Frühen Hilfen zurückzublicken. Das Bild ist überwiegend positiv: Mehr als 90 Prozent der Befragten stimmen zu oder voll und ganz zu, dass die Familienbegleitung insgesamt eine positive Wirkung auf ihre Familie hatte. Rund 86 Prozent denken gerne an die Begleitung zurück, und die Mehrheit gibt an, Tipps, Informationen und Gelerntes auch nach Abschluss der Begleitung noch nutzen zu können. Auch mehr als 60 Prozent berichten, dass die Wirkung der Frühen Hilfen noch immer spürbar sei.
Emotionale Entlastung, Orientierung und Stabilität
Die offenen Rückmeldungen zeigen, dass die Frühen Hilfen vor allem durch emotionale Entlastung, Bestärkung elterlicher Kompetenzen und das Gefühl, nicht allein zu sein, in Erinnerung bleiben. Besonders häufig genannt werden auch Orientierung im Hilfesystem und die Vermittlung von weiterführenden Angeboten. Die Begleitung wird überwiegend als kompetent, empathisch und vertrauensvoll beschrieben. Gleichzeitig weisen einzelne Familien auf Grenzen hin, etwa wenn zusätzliche praktische Entlastung benötigt worden wäre oder besonders komplexe Bedarfslagen vorlagen.
In den spontanen Assoziationen zur Familienbegleitung dominieren Begriffe wie „empathisch“, „verständnisvoll“, „herzlich“, „Unterstützung“, „Entlastung“ und „nicht alleine“. Die Antworten verdeutlichen die Bedeutung einer wertschätzenden und bedarfsorientierten Begleitung auf Augenhöhe.
Was Familien langfristig in Erinnerung behalten
Die Familien wurden auch gefragt, welche Themen und Informationen aus der Familienbegleitung besonders relevant waren. Am häufigsten genannt wurden die Beziehung zum Kind, Ratschläge zur Erziehung sowie Informationen zu finanziellen Unterstützungsleistungen. Knapp 90 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen die Familienbegleitung bei den behandelten Themen geholfen hat. Rund 85 Prozent berichten, dass die erhaltenen Tipps und Informationen auch heute noch hilfreich sind.
Bei den übergeordneten Themen stehen die Bewältigung von Überforderung, das Annehmen von Unterstützung, das Bewältigen schwieriger Zeiten und die Stärkung des Selbstvertrauens im Vordergrund. Auch diese Inhalte werden von einem Großteil der Befragten rückblickend als hilfreich bewertet.
Unterstützung annehmen fällt oft leichter
Eine Besonderheit der Befragung war die Frage, ob es Familien seit der Begleitung leichter fällt, Hilfe anzunehmen. Während manche Eltern angeben, Unterstützung schon zuvor problemlos angenommen zu haben, berichten andere von einem spürbaren Abbau von Hemmschwellen und einer größeren Offenheit gegenüber Unterstützungsangeboten. Die Rückmeldungen unterstreichen die Bedeutung einer vertrauensvollen Begleitung in belastenden Lebenssituationen.
Niederschwellig, persönlich und auf Augenhöhe
Im Vergleich zu anderen Unterstützungsangeboten wird die Familienbegleitung besonders häufig für ihre Niederschwelligkeit, die aufsuchende Form der Hausbesuche, die kontinuierliche Begleitung und die persönliche Beziehung geschätzt. Familien berichten, dass sie sich verstanden, ernst genommen und emotional entlastet gefühlt haben. Auch die kostenfreie Inanspruchnahme, die unkomplizierte Organisation und die Vermittlung von Informationen und weiteren Unterstützungsangeboten werden als zentrale Stärken genannt.
Warum Familien die Weiterführung der Frühen Hilfen befürworten
Die offenen Antworten zur zukünftigen Finanzierung der Frühen Hilfen zeigen ein klares Bild. Die Befragten betonen die Bedeutung des Angebots für Familien in belastenden Situationen, die Förderung der Gesundheit von Kindern und Eltern sowie den präventiven Charakter der Unterstützung. Die Frühen Hilfen werden von vielen als wichtige Investition in das Wohlergehen von Familien und die langfristige Entwicklung von Kindern wahrgenommen.
Zur Einordnung der Ergebnisse
An der Onlinebefragung beteiligten sich 77 Familien. Wie bereits in früheren Erhebungen zeigt sich dabei ein bekannter Bias: Familien mit höherer formaler Bildung und ohne Migrationshintergrund nehmen häufiger an Onlinebefragungen teil. Die Ergebnisse vermitteln daher wichtige Einblicke in den wahrgenommenen Nutzen der Frühen Hilfen, bilden jedoch nicht die Gesamtheit aller begleiteten Familien gleichermaßen ab.


